Letzten Sommer bin ich gestorben
Es waren nicht die grossen Verluste. Es waren die Überzeugungen, an denen ich hing — obwohl sie längst nicht mehr stimmten. Über die Trauer, die zum Wachsen gehört.
Letzten Sommer bin ich gestorben.
Mein Körper war noch da. Aber innerlich war vieles weg. War einiges, was vorher war, nicht mehr da.
Letzten Sommer hatte ich noch einen Körper, der lebte, doch meine Seele, die war im Schlaf. Letzten Sommer lag Vieles, das ich über Jahre dachte und für selbstverständlich hielt, im Sterben.
Die Idee, beispielsweise, dass ich die Welt retten muss.
Dass die Pflicht immer zuerst kommt.
Die Idee, dass ich Menschen auch dann zuhören muss, wenn ich gar nichts mehr aufnehmen kann.
Die Idee, dass ich Zugehörigkeit suche, aber sie irgendwie nicht finde, und dass das doch an mir liegen muss.
Die Idee, dass da irgendwas falsch ist, in mir, ganz grundsätzlich. Und dass ich alles daran setzen muss, es zu finden.
Also setzte ich mich ans Sterbebett all dieser Ideen und Realitäten und wartete.
Ich wartete darauf, dass sie gingen und etwas Neuem, Schönem Platz machen. Doch sie gingen nicht. Und irgendwann dämmerte mir, warum.
Weil ich noch immer an all diesen Überzeugungen festhielt.
Aus Wehmut. Aus Stolz. Aus der Sehnsucht nach Halt heraus.
Was einem Halt gibt, das will man nicht loslassen. Wir sind fähig, an allem Erdenklichen zu hängen. Dinge und Zustände und Menschen und Leben liebzugewinnen, die für uns gar nicht gut sind. Wir können uns erschöpfen im Versuch, etwas zu verbessern.
Wir wollen selten gehen, wenn wir noch Hoffnung haben.
Und wir mögen es grundsätzlich nicht, etwas sterben zu lassen.
Eine Beziehung.
Eine Zeit in unserem Leben.
Einen Menschen.
Dieses Bild von uns, wie wir gerne wären, aber im Grunde noch nie waren.
Doch wir wissen eigentlich: Dieser Tod muss sein, irgendwann. Im echten Leben, und in unserem Inneren.
Und an beiden Orten, auf beide Fragen hin wissen wir nicht, was danach kommt. Oft haben wir sogar Angst, dass es kein Danach gibt.
Wer werde ich sein, wenn ich das, was ich meine, zu sein, nicht mehr bin?
Was werde ich verlieren, wenn ich selbst loslasse?
Wird durch diesen inneren Tod überhaupt etwas Neues entstehen können?
Ich bin heute hier, um euch zu sagen: Lauft los. Es gibt ein Danach. Und ich wünsche euch, dass es näher an eurem Selbst ist, als die Idee davon je war.
Letzten Sommer bin ich gestorben. Damit ich heimkehren kann.
Zu dem Menschen, der ich schon immer war.
xoxo, Lieblingsmensch!
Anna
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Diese Erfahrung kenne ich gut. Und ich glaube, das Leben ist eine Reihe von ganz vielen dieser "kleinen Tode".