Das moderne Leben verspricht uns Kontrolle in allen Lebenslagen. Doch das macht kaputt, was wir im Grunde unserer Seele brauchen: Urvertrauen, dass alles gut kommt. Auch wenn wir nicht wissen, wie.
Der Gegensatz, den du hier aufmachst, hat eine ziemlich direkte körperliche Entsprechung. Kontrolle bedeutet permanent zu scannen — und ein System im Scan-Modus ist ein System im Sympathikus. Wachsam, angespannt, bereit. Urvertrauen ist dagegen der Zustand in dem der Körper aufhört zu prüfen. Das ist nicht Naivität, sondern schlicht die Voraussetzung dafür, dass Regeneration überhaupt stattfinden kann.
Das Perfide am digitalen Leben ist ja, dass es diesen Scan-Modus als Fürsorge tarnt. Noch eine App, noch eine Kennzahl, noch eine Absicherung. Es fühlt sich verantwortungsvoll an, während es das Nervensystem in genau dem Zustand hält, aus dem es eigentlich raus müsste.
Du beschreibst präzise, was viele spüren: Je mehr wir kontrollieren können, desto weniger halten wir Ungewissheit aus. Aber ich glaube, das ist kein Zufall und kein individuelles Versagen. Es ist ein Geschäftsmodell. Die Plattformen trainieren uns diese Intoleranz aktiv an – weil jede Unsicherheit ein Engagement-Moment ist, jede Frage eine Datenspur. Überwachungskapitalismus lebt davon, dass wir uns permanent selbst vermessen und optimieren. Ambiguitätstoleranz ist deshalb nicht nur eine psychologische Fähigkeit, sondern auch ein politischer Akt: Wer Unsicherheit aushält, ohne sofort zu googeln, entzieht sich der Erfassung. Und wird dadurch weniger steuerbar.
Love how you frame this as a loss of our tolerance for ambiguity, not just 'too much screen time' — I absolutely agree. That idea of basic trust as staying one breath longer in the in-between really does something. (And as a bonus, it makes me oddly happy to stumble across a German writer here 😊).
Der Gegensatz, den du hier aufmachst, hat eine ziemlich direkte körperliche Entsprechung. Kontrolle bedeutet permanent zu scannen — und ein System im Scan-Modus ist ein System im Sympathikus. Wachsam, angespannt, bereit. Urvertrauen ist dagegen der Zustand in dem der Körper aufhört zu prüfen. Das ist nicht Naivität, sondern schlicht die Voraussetzung dafür, dass Regeneration überhaupt stattfinden kann.
Das Perfide am digitalen Leben ist ja, dass es diesen Scan-Modus als Fürsorge tarnt. Noch eine App, noch eine Kennzahl, noch eine Absicherung. Es fühlt sich verantwortungsvoll an, während es das Nervensystem in genau dem Zustand hält, aus dem es eigentlich raus müsste.
Danke für diesen Text.
Du beschreibst präzise, was viele spüren: Je mehr wir kontrollieren können, desto weniger halten wir Ungewissheit aus. Aber ich glaube, das ist kein Zufall und kein individuelles Versagen. Es ist ein Geschäftsmodell. Die Plattformen trainieren uns diese Intoleranz aktiv an – weil jede Unsicherheit ein Engagement-Moment ist, jede Frage eine Datenspur. Überwachungskapitalismus lebt davon, dass wir uns permanent selbst vermessen und optimieren. Ambiguitätstoleranz ist deshalb nicht nur eine psychologische Fähigkeit, sondern auch ein politischer Akt: Wer Unsicherheit aushält, ohne sofort zu googeln, entzieht sich der Erfassung. Und wird dadurch weniger steuerbar.
Love how you frame this as a loss of our tolerance for ambiguity, not just 'too much screen time' — I absolutely agree. That idea of basic trust as staying one breath longer in the in-between really does something. (And as a bonus, it makes me oddly happy to stumble across a German writer here 😊).