Noch bis 15. August: das "open studio" in Luzern lädt dich zum Malen ein!
Warum ich ein offenes Malatelier erschaffen habe. Und warum das ganz viel mit Gemeinschaft, Glück, Selbstliebe und Gesellschaft zu tun hat. Und mit dir!
Hallo Lieblingsmensch.
Wie geht es dir? Wie behandelt dich der Sommer? Wie fühlst du dich? Und was beschäftigt dich?
Ich möchte dir heute von den letzten Wochen erzählen, und von einem Projekt, das ich umgesetzt habe - mein erstes im dreidimensionalen Raum, wenn du so willst, ausserhalb meines Ratgebers “verbunden”, natürlich.
Ich habe in der Peterskapelle Luzern einen achteckigen Kubus aufgestellt, in welchem du malen kannst. Einfach so. So lange du willst. Materialien stehen bereit, der Zugang ist umsonst, das Studio ist täglich offen noch bis zum 15. August 2025. Von 8 bis 16.30/18.30 Uhr.
Dieses Projekt, dieses offene Mal-Atelier, ist mehr als eine Mal-Ecke beim Zahnarzt. Oder ein Sommerprojekt, weil die Kirchen nunmal immer leerer werden und sie sich marketingtechnisch überlegen müssen, wie sie bei den Leuten bleiben.
Hier geht es um viel mehr.
Es geht um deine Seele. Um Räume. Um Scham. Und um das Durchbrechen alter Muster.
Wann hast du das letzte Mal gemalt? Und – noch wichtiger – wann hast du das letzte Mal gemalt, obwohl du selbst fandest, dass es nicht schön ist, was du da malst? Nicht wirklich kunstvoll. Nicht so toll, wie es sein könnte. Vielleicht sogar: zu nichts zu gebrauchen.
Für manche von uns ist kreativer Ausdruck selbstverständlich. Wir schämen uns nicht, wir machen einfach. Wir blühen auf.
Doch für viele – für die meisten – ist das spielerische Kreativsein schwierig und vorbelastet.
Du trägst sie vielleicht in dir, diese alte, tiefe Wunde, dass du nicht genug bist. Nicht genug kannst. In vielen Momenten deines Alltags bricht diese Wunde vielleicht gar nicht auf. Du hältst dich an Abläufen fest, an dem, was du kennst. Du hast Bereiche, in denen du stark bist – im Beruf, als Freundin, als Teil einer Gemeinschaft.
Doch wenn dann dieser Moment kommt – ein Tisch mit Farben, eine Einladung zu singen, ein Impuls zum Ausprobieren – und du nicht sicher bist, ob es dir „gelingt“: Dann zögerst du.
Warum eigentlich?
Warum tut es so weh, etwas zu tun, was du (noch) nicht kannst? Und was heisst „können“ überhaupt? Es ist doch im Grunde bloss: tun. Es hat nichts mit Gelingen zu tun.
Wenn du etwas tust, dann tust du es bereits. Wenn du einen Pinsel auf ein Papier drückst, ist das schon: malen.
Wenn du ein Wort aussprichst, ist das schon: Ausdruck.
Wenn du einen Satz schreibst, ist das schon: der Anfang eines Romans – vielleicht.
Du kannst nicht leben, dich ausdrücken, lernen, lieben, wenn du nicht beginnst.
Es ist die Scham, die dich davon abhält, anzufangen
Es gibt im Englischen diesen Satz:
Just start. You can make it good later.
Fang einfach an. Du kannst es später besser machen.
Nichts, was du erschaffst, kann wachsen, wenn du dir den Zugang verwehrst. Wenn es kein erstes Mal gibt. Wenn es nichts gibt, das du verändern könntest.
Also warum, um Himmels willen, hältst du es für eine gute Idee, gar nicht erst anzufangen?
Weil du der Scham ausweichen willst. Weil du dich nicht diesen bösen, vernichtenden inneren Sätzen stellen willst, die dann auftauchen.
Wie lächerlich du bist.
Wie schlecht das ist.
Warum kannst du das nicht?
Denkst du wirklich, das ist schön?
Hör auf, das ist peinlich.
Wen interessiert das schon?
Ich spreche jeden Tag so mit mir. Jahrzehntelang habe ich mich geschämt und diesen Teil weggedrückt. Ich habe mich auf meine Stärken gestützt – und dabei das vergessen, was meine Seele wirklich braucht: Raum.
Raum zum Atmen. Raum zum Ausprobieren. Raum für Anfänge – in Bereichen, in denen ich nichts kann.
Ich hätte vor ein paar Tagen vielleicht noch gesagt: Raum, um Fehler zu machen.
Doch das würde bedeuten, dass es überhaupt so etwas wie Fehler gibt.
Woher nimmst du dir das Recht, das, was du aus dem Herzen heraus versuchst, so schlecht zu machen?
Warum glaubst du, dass du fröhlicher, lebendiger, kreativer oder liebevoller wirst, wenn du so mit dir sprichst?
Du wirst es nicht.
Du wirst müde sein. Traurig. Leer.
Weil du dich von dir selbst abwendest. Weil du dich selbst verlässt.
Du brauchst Orte und Zeiten und Momente, in denen du nichts tun oder sein musst
Was also tun?
Vielleicht wohnst du nicht in Luzern, nicht um die Ecke, vielleicht musst du hierher fahren oder hast keine Lust oder weisst noch nicht wann und ob - das macht nichts. Ich möchte, dass du weisst: Dieser Raum ist da. Bis Mitte August ist er in Luzern, ja, und danach? Keine Ahnung. Aber er wird nicht der einzige bleiben. Wir und du und ich können solche Räume schaffen, suchen, finden, für uns einnehmen, füllen, beleben.
Ich wünsche mir von Herzen, dass du anfängst, dir Räume zu schaffen. Zeiten, Momente, Orte, Handlungen, von denen du nichts erwartest.
In denen du einfach machen darfst.
In denen du dir das Recht zurückholst, dass keine innere oder äussere Stimme über dich richtet.
Räume, in denen du sagen kannst:
Hier drin gibt es keine Fehler.
Keine Perfektion.
Bitte, tritt in diesen Raum ein und male.
Setz dich hin – mit deiner Seele.
Leg deine Hand auf dein Herz.
Atme langsam ein und aus.
Bleib ein paar Momente einfach da, wo du bist.
Umarm die Angst.
Die Zweifel.
Die Scham.
All das, was hochkommt, wenn du dich mit dem verbindest, was lange verschüttet war.
Und dann: fang an.
Du hast es verdient, dich selbst so zu erleben, wie du bist.
Und darin zu erkennen: Das ist schon alles sehr wertvoll. Genau so, wie es ist.
xoxo, Anna
PS: Am Freitag findet ein schöner Abend in Luzern statt, der Event “Draw and Listen” mit Musik von Melina Nora und Texten von mir. Komm’ gerne vorbei!
PPS: Wenn du eine Idee hast, wo das open studio als Nächstes hinkommen soll, als wanderndes Projekt für offene Köpfe und Herzen, melde dich gerne per Mail bei mir: mail@anna-miller.ch.
PPPS: Ich überlege gerade, ein digitales Pendant zum open studio zu schaffen – einen Raum, in dem wir gemeinsam kreativ sein können, ohne Ziel, ohne Druck, jede*r für sich und doch zusammen. Weil wir nicht alle immer gleichzeitig am gleichen Ort sein können - aber digital verbunden, um mit der Kraft der Gemeinschaft im Analogen zu erschaffen. Würde dich das interessieren?




