Weniger scrollen? Ganz löschen! Warum radikale Entscheidungen leichter sind als kleine Schritte
Wir haben jeden Tag unzählige Entscheidungen zu treffen. Doch wenn du den richtigen Domino-Stein findest, fallen viele Dinge von selbst von dir ab.
Ich weiss noch, wie ich im Zug durch Japan sass, 2022, mit mir kaum mehr als das, was in einen 40 Liter Rucksack passt, Monate freie Zeit vor mir, aber in meinem Kopf immernoch alles: voll.
Gedanken an meine Projekte. Gedanken an die Reiseroute. All die offenen Wünsche, Fragen, Entscheidungen, die ich immer mit mir schleppe.
Ich hatte kaum mehr als fünf Paar Unterhosen eingepackt, mein Gepäck so leicht, dass ich es überall hintragen konnte, aber mein gedankliches Leben war noch immer so gefüllt, dass es mir schien, dass ich ein ganzes Haus dafür brauchte, um alles zu verstauen.
Dann las ich das Buch “the one thing” von Gary Keller.
Und damit kam die eine Frage in mein Leben, die ich mir seither oft stelle:
Welche eine Sache, die du entscheiden kannst, macht alles andere einfacher oder überflüssig?
Im Grunde geht es um die Idee, dass eine Entscheidung, wenn es denn die richtige ist, also diejenige mit der grössten Hebelwirkung, sehr viele andere Entscheidungen überflüssig macht. Weil Entscheidungen Willenskraft, Planung, Energie und Nerven brauchen. Und wir die nicht immer haben wie Sand am Meer.
Doch findest du den richtigen Domino-Stein, fallen andere Dinge leichter, ordnen sich neu oder werden überflüssig. Nicht, weil du mehr Disziplin hast, sondern weil du dein Leben so einrichtest, dass das Wichtige weniger Widerstand hat und das Unwichtige von selbst wegfällt.
Wenn du also beispielsweise gesünder leben willst und dich mehr bewegen, kannst du dir vornehmen, ein Fitness-Abo abzuschliessen, neue Sportkleidung zu kaufen, deinen Arbeitsplan an die Trainingsstunden anzupassen, mehr Gemüse zu kaufen - you name it.
Oder du kaufst dir einen Hund.
Der Hund wird dich die kommenden 15 Jahre mindestens dreimal täglich vor die Tür zwingen, ob du Lust hast oder nicht. Du wirst mit diesem Hund mit der grössten Wahrscheinlichkeit mehr laufen, öfter an der frischen Luft sein, neue Wege gehen. Automatisch. Aufgrund einer einzigen Entscheidung.
Natürlich können wir nicht alle einen Hund kaufen. Wollen wir auch nicht. Doch wir können uns immer wieder fragen: Welche eine Entscheidung macht alle anderen einfacher oder überflüssig? Welcher power move? Welches one thing?
Einfach? Nein, aber radikal wirksam
Ob in der Beziehung, im Job, im Digitalen: Manchmal sind die wichtigsten Entscheidungen nicht die einfachsten, aber doch die radikal wirksamsten.
Die Trennung.
Der Jobwechsel.
Oder sowas wie: Social Media löschen. Nicht weniger scrollen, nicht Zeitlimite. Sondern weg damit. Das eliminiert automatisch 90 Prozent des Rauschens.
Oder: Den Laptop gar nicht erst nach Hause mitnehmen, sondern bei der Arbeit lassen. Der Moment wird kommen, wo du auf Galaxus bestellen willst oder nur mal kurz was nachschauen. Vielleicht wirst du dich auch kurz ärgern, dass du das neue Rezept nicht mit Chatgpt besprechen kannst. Doch du wirst Stunden Zeit und Ruhe gewinnen. Und am Ende automatisch wieder eine halbe Stunde ans Klavier sitzen. Wegen dieser einen Handlung, das Gerät im Büro zu lassen.
Damals in Japan entschied ich mich, mein Projekt, das ich damals aufbauen wollte, fallen zu lassen. Die Webseite vom Netz zu nehmen. Den Namen zu löschen. Das fiel mir alles andere als leicht. Doch mit dieser Entscheidung fiel von einem Moment auf den anderen so vieles von mir ab, dass sie richtig war.
Welche eine Sache kannst du jetzt beschliessen, beginnen, abschliessen, die dich wirklich erleichtert?
xoxo, Anna
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